Uncategorized - posted on 21. September 2014 by

Norddeich & Bremen

norddeich_bremen_2014

Ein ebenso schöner wie anstrengender Trip in nördliche Gefilde liegt hinter uns. Fast 1000 km gefahren und pro Nacht nur 4 Stunden Schlaf – Erholung sieht anders aus ;-)
Besten Dank an alle Konzertbesucher in Norddeich und Bremen!!! Es war toll mit euch!

Comments

Frank

Euer Konzert in Bremen war genial, einfach spitze !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Thomas

Hi Jungs, vielen Dank für das hammer Konzert am vergangenen Freitag in Norddeich!! Ich habe euch jetzt vier mal gesehen (1x Schortens “Fair Café”, 3x “Meta”) und ihr spielt jedesmal genial. Ich komme immer mit meinem Vater, wenn ihr auf dem Plan steht. So auch Freitag, als wir erst 2 Std vor Beginn erfahren haben, dass ihr da seid!! Und es hat sich wieder sowas von gelohnt!! Top Leistung!! Besonderes Lob an den Sänger – gigantisch gut! Weiter so!!!

Hans-Jürgen Küsel

DEMON’S EYE IM MEISENFREI
Na gut, Werder hat verloren – Grund genug, meine Laune für das gesamte Restwochenende zu verderben, zumal dann, wenn ich in der schönen Stadt Bremen verweile. Aber, oh Wunder, genau an diesem Tage (20. September 2014) haben alle Dichter (siehe Titel des Reviews), Denker und sonstigen Liebhaber der Musik von Deep Purple, die gerade an diesem Tage den Bremer Musikladen „Meisenfrei“ bevölkern, allen Grund, des Nachts mit allerbester Laune ins Bett zu sinken – und von Demon’s Eye zu träumen.
Das Konzert begann um 21.15 Uhr und endete (mit einer Pause) um Mitternacht. Netto etwa 2 ½ (in Worten: zweieinhalb) Stunden Musik! Die Dramaturgie des Konzerts war interessant, wenn auch nicht ganz unüblich – und entsprach Jürgen von der Lippes einstiger Beschreibung der Kreuzberger Nächte: „Erst fang’n se janz langsam an, aber dann, aber dann!“
Der Opener „Stormbringer“ lässt erst einmal den Motor warmlaufen. Aber schon im 2. Song, „Burn“ geht so richtig die Post ab. Für Dario Velasco scheint es eher eine leichte Übung zu sein, den Coverdale zu geben. Die Rhythmusabteilung demonstriert uns schon hier den gravierenden Unterschied zwischen der quälenden Langsamkeit des Heavy Metal und temporeicher Hardrock-Musik à la Deep Purple. Gerade deshalb ist die Bedeutung von Bass und Drums gar nicht hoch genug einzuschätzen. Und schon jetzt wird mir klar, dass Maik Keller (Bass) und Andree Schneider (Drums) große Könner an ihren Instrumenten sind. Auch der Gitarrist Mark Zyk gibt hier eine erste überzeugende Duftmarke seines Könnens ab.
Noch einmal wird das Tempo ein wenig zurückgefahren, typisch für „Woman from Tokyo“, aber auch hier müssen sich Demon’s Eye keinesfalls hinter Deep Purple verstecken.
Diese Musiker haben längst überzeugend bewiesen, dass sie auch selbstbewusst aus dem Schatten ihrer musikalischen ‚Väter‘ heraustreten können. Geradezu paradigmatisch dafür steht der nächste Song „Far over the Rainbow“ aus ihrem (leider bisher einzigen) Studioalbum „The Stranger Within“. Die Rhythmusabteilung verwöhnt uns mit filigranen Tempowechseln und Mark Zyk demonstriert hier erneut seine großartigen Fähigkeiten an der Gitarre. Sein Spiel erinnert übrigens stärker an Ritchie Blackmore als an Steve Morse. Eine Werbung für das Genre Hardrock.
Space Truckin‘ wird sehr solide gespielt, allerdings scheint mir der Gesang von Dario Velasco etwas überdreht. Andree leistet bei diesem Song eine klasse Arbeit an der Schießbude.
„Eyes of the World“ von Rainbow geht für mein Dafürhalten zu sehr in Richtung Heavy Metal geht und gehört (ausnahmsweise) nicht zu den Höhepunkten des Konzerts.
Zeit für eine Ballade und zurück zu Mk III: Ich möchte mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen (zumal ich die DP-Variante nie live gehört habe), aber ich finde die hier gehörte Version von „Soldier of Fortune“ besser als das Original.
Aber jetzt: Dario Velasco kündigt ein Special des Keyboarders Florian Pritsch an – und der Tastenvirtuose legt richtig los. Ich kann nur von Jon Lord träumen, aber er kann auch so spielen wie das große Vorbild – Neid! Schnell erkenne ich, dass es sich um ein langgezogenes Intro handelt, aber für welchen Song? Während ich noch darüber grüble, ob nun „Lazy“ oder „Knocking at your Backdoor“ folgt, überrascht mich die Band erneut. Diese Künstler haben halt ihren ganz eigenen Kopf und so lösen sich meine Überlegungen regelrecht in Luft auf. Es folgt nämlich „Child in Time“, ganz so, als hätten sie dieses Konzert nur für mich alleine konzipiert. Nein, es gibt nur einen, der Ian Gillans Stimme singen kann – Ian selbst. Aber die Konsequenz, die Dario Velasco aus diesem Tatbestand zieht (der eben auch über eine vorzügliche Kopfstimme verfügt) ist die einzig richtige: Er spielt seine eigene Stimmenpersönlichkeit aus (das hätte ich mir von D. Coverdale auch gern gewünscht) und siehe da: Es ist großartig! Fast überflüssig die Feststellung, dass Dario wirklich alle Töne exakt trifft. Aber, so überwältigt ich in diesem Moment von der Kunst des Sängers bin: Die Instrumentalisten dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Mark und Florian liefern sich ein denkwürdiges Gitarren-Orgel-Duell. An anderer Stelle erweisen sich Andree und Maik mit ihrem unnachahmlichen Tempo nachgerade als produktive Sklaventreiber und zwingen Mark zu einem grandiosen Gitarrensolo. Mark nimmt diesen Impuls dankend und extrem überzeugend auf. Natürlich – wie sollte es auch anders sein – ein glanzvoller (wenn auch keineswegs der einzige) Höhepunkt des Konzerts.
Pause, Zeit also auch für die Leser dieses Reviews, einmal zum Kühlschrank zu gehen, um für den Nachschub an Aphrodisiaka (Wein, Bier, …) zu sorgen.
Der zweite Teil des Konzerts geht mit dem Klassiker „Highway Star“ gleich so richtig in die Vollen. Kein Aufwärmen oder Ähnliches: Demon’s Eye spielen den Song genauso kraftvoll, wie wir es von DP gewohnt sind.
Und mit Tempo geht es weiter. „Speed King“ ist halt das Geschwindigkeitsmanifest von DP und genau das Tempo nehmen Demon’s Eye auch auf. Interessant an dieser Version finde ich das Duell zwischen Dario Velasco und Mark Zyk, das mich an das Duell Gillan-Morse auf „Total Abandon“ erinnert.
Es folgt „Fool For Your Lovin“ von Whitesnake. Und Demon’s Eye beweisen auch hier, dass sie den Song so kraftvoll spielen können, wie es sich für ein solches Hardrockstück nun mal gehört.
Nun wird es Zeit für das Gitarrensolo. Was Mark nun auf der Bühne zelebriert, erinnert mich sofort an Blackmore-Soli, in denen dieser mit deutlichen Anklängen an Jimi Hendrix glänzte. Aber Mark kann das auch auf höchstem Niveau. Hier treffen unverkennbar überragende Fingerfertigkeit und ein ausgeprägtes Musikgespür zusammen. Herrlich! Das Solo geht dann direkt in „Mistreated“ über, währenddessen die Band zum wiederholten Male zeigt, dass es ihr nicht ausreicht, einfach das DP-Original zu kopieren. Der Instrumentalteil strotzt vor Originalität bis hin zu einer köstlichen Version von J. S. Bachs „Air“. Dieses insgesamt sehr lange Stück ist ein (weiterer) hinreißender Höhepunkt des Konzerts.
Danach bieten Demon’s Eye mit Schmackes den Song dar, der mich 1968 erstmalig mit Deep Purple bekannt machte: „Hush“. Die ohnehin schon glänzende Stimmung im Meisenfrei wird noch einmal gesteigert.
Und nun noch ein Höhepunkt: Aber die hier gespielte Version von „Knocking at your Backdoor“ muss sich nun gar nicht hinter irgendeiner DP-Version verstecken. Ich finde bei diesem Song die Arbeit der Rhythmusabteilung besonders wichtig. Paicey und Roger haben schon oft bewiesen, dass sie mich bei diesem Song förmlich zu einer tanzenden Bewegung zwingen, aber Andree und Maik schaffen das genauso gut. Und Andree zeigt (übrigens nicht nur hier), dass er, wie Paicey, den Swing im Blut hat. Auch Dario singt hier wieder äußerst fein. Da wollen Mark und Florian nicht zurückstehen und spielen (teilweise dialogisch) eine wunderbare Improvisation, die orientalische Elemente mit einem kleinen Schuss Beethoven enthält und dann auch noch in den Cream-Song „Sunshine of your Love“ übergeht. Kurzum: Einsame Klasse!
Egal, ob die Stimmung sich auf Eislevel oder (wie hier schon längst) auf dem Siedepunkt befindet: „Black Night“ passt eigentlich immer. Und auch Demon’s Eye schaffen es mühelos, meine Erinnerung an wildeste Disco-Nächte in den frühen 70ern wachzurufen.
Am Ende des regulären Konzerts warten DE noch einmal mit einem Leckerbissen auf, mit „Perfect Strangers“. Obwohl ich hier finde, dass die Instrumente bei DP (auf ihren richtig guten Konzerten) einen Tick besser gespielt wurden, überzeugt mich auch diese Version, nicht zuletzt deshalb, weil Dario hier noch einmal eine glänzende Kostprobe seiner tollen Stimme abgibt.
Weil das Meisenfrei-Publikum sich in Bestlaune befindet und einfach nicht locker lässt, spielt die Band noch zwei Songs als Zugabe. Los geht es mit Whitesnakes „Here I go again“. Ein schwungvoller Song, den DE mindestens so gut spielen wie das Original, wenn nicht besser.
Natürlich darf auf einem DP Konzert – und deshalb auch auf einem DP-Tribute-Konzert ein Song nicht fehlen: „Junge komm bald wieder“ … äh, ich meine natürlich „Smoke on the Water“ Das machen die natürlich nur, damit ich auch schön heiser heimkehre.
Fazit: Man kann es mit dem berühmten Linguisten Dieter Bohlen (dem übrigens böse Zungen einst nachsagten, er könne auch Musik machen, was sich aber bald als üble Nachrede erwies) sagen: Das Demon’s Eye-Konzert im Bremer „Meisenfrei“ war einfach hammermäßig. Aber daran knüpfen sich verdutzte Fragen. Das Meisenfrei war gut gefüllt, aber es handelt sich dabei um einen eher kleinen Laden. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe diese ‚familiäre‘ Atmosphäre, die große Nähe zu den Künstlern regelrecht genossen und konnte sogar kurz vor Konzertbeginn Andree einmal ansprechen, sodass dieser jetzt weiß, welches Gesicht sich hinter meinem Namen verbirgt. Aber ich habe hier Rockmusik auf höchstem Niveau besprochen, Musik, die viel größere Säle füllen müsste. Ins Meisenfrei passen vielleicht 300 Leute. Wie wäre es mit einer vierstelligen Anzahl von begeisterten Fans – das hätte dieser Gig allemal verdient! Warum wird den Veranstaltern nicht geradezu die Bude eingerannt, wenn der Name „Demon’s Eye“ auch nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird? Liegt es vielleicht an den äußerst moderaten Eintrittspreisen, aus denen dann diverse Fans den urkomischen Schluss ziehen: Die sind so billig, die können gar nicht gut sein. Solchen Fans möchte ich folgende Botschaft mit auf den Weg geben: Leute, ihr tragt kein einfaches Pawlowsches Reiz-Reaktions-Dreieck auf eurem Hals, sondern ein Gebilde namens Kopf. Darin können sich so faszinierende Vorgänge, wie z. B. inniges Nachdenken abspielen. Probiert es mal – es lohnt sich!
Ach ja, vergessen wir nicht, dass ich hier über Demon’s Eye zu Gericht sitze. Und wenn die Jungs auf einen Freispruch hoffen, so können sie das gleich vergessen. Hier sitzt kein Geringerer als ‚Richter Gnadenlos‘ und deshalb ergeht folgendes Urteil:
1. Die Band „Demon’s Eye“ muss es noch lange geben.
2. Die Künstler, die diese Band bilden, sind verpflichtet, ihr Können und ihre Kreativität auch weiterhin so einzusetzen, dass, wie schon bisher, Rockmusik auf höchstem Niveau dabei herauskommt.
3. Der Unersättlichkeit der Fans muss auch in Zukunft Rechnung getragen werden und der geneigte Fan kann sich unmöglich damit zufrieden geben, dass es bisher nur ein einziges „Demon’s Eye“.Album gibt. Daher besteht diesbezüglich Nachholbedarf.
4. „Demon’s Eye“ sind auch in Zukunft gehalten, norddeutsche Städte (hauptsächlich Bremen und Hamburg) als attraktive Konzertorte anzusehen.
Sollte dieses Urteil nicht umgesetzt werden, muss ich meine Rezensenten-Guillotine womöglich doch noch zur Anwendung bringen.

Hans-Jürgen Küsel

Klaus

Wow, was für ein Review, grandios, als wäre ich dabei gewesen. Vielen Dank Hans-Jürgen Küsel.

Olaf Asmus

Hans-Jürgen, vielen Dank für deine Review. Ob du es glaubst, oder nicht, meine Reviews zu all den von mir gesehenen Demon’s Eye Konzerten würden ähnlich positiv, ja teils überschwenglich ausfallen. Man kann von dieser Band nicht genug bekommen und so hoffe ich, daß dein “Richterspruch” in die Tat umgesetzt wird (Punkt 3 – ein neues Album). Punkt 4 würde ich gern um das Wort ostdeutsch erweitert wissen.

Vielleicht sehen wir uns ja in Isernhagen am 11.10.

MfG Olaf